Rotmilane bauen ihren Horst meist in Buchen in 20-30m Höhe. Um als Tierfilmer perfekte Aufnahmen aus der Kinderstube der eleganten Vögel zu machen, muss man sich auf Augenhöhe begeben. Nur so ist es möglich, mit einer Top Kamera-Ausrüstung und besten Objektiven mit großer Brennweite, Aufnahmen zu produzieren, die in Naturdokumentationen optimal geschnitten werden können.

Für die Rotmilane ist diese Höhe etwas ganz alltägliches. Ihnen wird beim Blick nach unten so schnell nicht mulmig. Als Kameramann, der die Höhe nicht unbedingt bevorzugt, sieht dies auch mal anders aus.

Auf einem Baum in ca. 20m Entfernung wurde eine Plattform auf Höhe des Rotmilannests gebaut. Ein paar Balken in der Krone des Baums. Am Stamm führten dann einfache Leitern, die mit Spanngurten befestigt waren, direkt auf diese Plattform. Mein Weg auf den Baum war schnell geschafft. Doch wie kommen Kamera und Stativ da hinauf?

Auf dem Rücken, die Leiter hinauf…keine gute Idee. Also musste die schwere und kostbare Technik an einem Seil mühsam hochgezogen werden. Der Blick nach unten und die schwankende Kameratasche an dem dünnen Seil. Da fällt schon das zuschauen schwer. Doch nach einiger Zeit war es geschafft. Die Kamera und das Stativ standen auf der kleinen Plattform. Ich saß auf meinem Tarnstuhl. Vor mir 10cm Balken, hinter mir 10cm Balken. Gut, dass man die Umstände schnell verdrängt, wenn man das Zelt geschlossen hat.

Und es ist tatsächlich so. Sobald das Zelt geschlossen ist, vergisst man als Kameramann komplett, wo man sich gerade befindet.Es zählt einzig und allein das Motiv. 2 junge Rotmilanküken sitzen in ihrem Nest. Alles was sie in diesem Alter machen, ist schlafen und auf die Ankunft des Futters warten.

So wie die Küken, ist dies auch mein Job. Ich muss wachsam bleiben um die wenigen Anflüge der Elterntiere bei der Fütterung optimal einzufangen.

Die Fütterung verläuft sehr schnell. Die Elterntiere kommen kurz angeflogen, landen und das Küken, welches am schnellsten ist, bekommt die Beute. Im selben Moment verlässt der Altvogel das Nest auch schon wieder um sich erneut auf Futtersuche zu begeben. Etwas alle 2 Stunden wiederholt sich die Fütterung.

Am Ende eines langen Tages sind alle Aufnahmen im Kasten. Ich bin zufrieden.

Nun wird das Zelt wieder geöffnet und der Blick nach unten bringt die Unsicherheit zurück.

Es war ein gutes Gefühl, als die Kamera, das Stativ und ich wieder heil auf sicherem Boden angekommen sind.

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